Was hören wir, wenn der Sturm schweigt?

veröffentlicht 23.10.2026 von Tamara Kaulich, Pfarrerin in der Ev. Gesamtkirchengemeinde Lauterbach-Wartenberg, Ev. Dekanat Vogelsberg

Nach turbulenten Zeiten kommt oft die ersehnte Ruhe – doch manchmal bleibt die Unsicherheit. Pfarrerin Tamara Kaulich aus der Ev. Gesamtkirchengemeinde Lauterbach-Wartenberg denkt in ihren Sonntagsgedanken über Stürme, stille Momente und die biblische Geschichte des Propheten Elia nach.

Kennen Sie die Stille nach dem Sturm? Wenn man erleichtert aufatmet, kurz befreit von all den Sorgen ist?

Manch einer warnt vor dieser Stille. Ich kann es verstehen. Einerseits lässt sich in der Stille einiges erkennen. Es fällt der Blick auf das, was entstanden ist. Sicherlich lässt sich vieles positiv deuten, aber ein Sturm hinterlässt gewöhnlich auch Schäden. Andererseits war es aber auch so anstrengend, dass man erschöpft zusammensinkt. Nach dem ersten Aufatmen mischt sich meist die Unsicherheit dazwischen, ob es die Stille nach dem Sturm oder nur die Stille vor dem Nächsten ist. 

Ein Moment, der dem Himmel gehört

In solchen Situationen zieht es mich raus in die Natur. Es nimmt mir sämtliche anderen Gedanken, wenn es stürmt. Ich muss dem schließlich etwas entgegensetzen. Wenn es dann ganz windstill wird, hilft meist nur der Blick in den Himmel. Dieser Moment gehört ganz dem Himmel. Er entscheidet, ob ich nun aufatmen darf oder lossprinten muss.

Dieses mulmige Gefühl kennt auch einer aus der Bibel: Elia (1 Kön 19). Er hat eine Mammutaufgabe vor sich, denn er soll sich gegen die Anhänger des Wettergottes Baal behaupten. Er hadert. Er zweifelt an sich. Er sucht nach Zuspruch. Gott schickt ihn auf den Berg Horeb. Elia lässt sich darauf ein, allem zum Trotz. Dort angekommen hat er einen Moment, der dem Himmel gehört. Gott zeigt sich ihm. Nicht im Sturm der Vorwürfe oder im Feuer der Unzufriedenheit. Nein. Gott zeigt sein wahres Wesen, das nur in der Stille hörbar wird – in einer lautlosen Windstille. 

Diesen Gedanken möchte ich heute mit Ihnen teilen: Vielleicht begegnet und ermutigt Gott nicht nur Elia in den stillen Momenten seines Lebens – vielleicht auch uns.

Wer Elias Gottesbegegnung nachspüren möchte, ist herzlich eingeladen, sich für Sonntag, 8. November 2026 um 18 Uhr in der Lauterbacher Stadtkirche Tickets zu besorgen. Dann wird Felix Mendelssohn Bartholdys „Elias“ von der Lauterbacher Kantorei und weiteren Solisten und Solistinnen unter Leitung von Claudia Regel aufgeführt.