Über diesem Sonntag steht „Jubel“. Das ist sogar ein Imperativ: „Jubelt!“ Damit tue ich mich schwer. Ich bin im anderen Teil Deutschlands groß geworden und erinnere mich ungern an die „verordneten Jubeltage“, etwa um den Maifeiertag herum, an dem wir als Schüler alle auf die Straße zum Jubel verdonnert wurden, ob wir das wollten oder nicht. Alte Männer auf Tribünen weitab der Lebenswirklichkeit standen da stundenlang, während das Volk mit lobhudelnden Parolen an ihnen vorüberzog. Zügig habe ich zugesehen, dass ich mich in eine Nebenstraße verabschieden konnte. Auf diesen Jubel hatte ich keine Lust.
Braucht Gott sowas? Ganz sicher nicht.
Echter Jubel braucht echte Gründe. Da kann man gar nicht anders. Da platzt es aus einem heraus. Zum Beispiel weil man von etwas Schönem überrascht wurde.
Augen auf: Das liegt jetzt im Frühjahr nahe. Wenn endlich all die Farben das winterliche Grau durchbrechen. Dann kann die Schönheit der Natur bewirken, dass Schöpfungsfreude uns das Herz aufmacht, um dankbar nach dem Urheber des Ganzen zu fragen.
Solche Durchbrüche der Freude gibt es auch für den „inneren Menschen“. Wo sich das Grau der Traurigkeit über die Seele gelegt hat oder ich in Mustern der Unzulänglichkeit gefangen bin, da überrascht mich Gott mit seinem Durchbruch der Liebe. Denn mit Jesus Christus hat er etwas in Gang gesetzt, was tief in mein Leben hineinreicht. Keine verordnete Freude, sondern Liebe, die bereit ist alles für mich zu tun. Ostern ist faktenbasierte Freude jenseits der Grenze meiner Möglichkeiten und Unmöglichkeiten. Da geht mein Herz auf. Durch das, was Gott kann, könnte sich auch in meinem Leben alles zum Neuen wandeln. Nichts freut Gott mehr, als wenn statt des „Alten“ plötzlich „neues Leben“ durch seine Güte Blüten treibt. "Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden." (2.Korinther 5,17) Weil ich das selbst erlebt habe, gehe ich raus und erzähle oder singe davon. Ganz freiwillig. Wer weiß, vielleicht treffen wir uns (zum Beispiel in einem Gottesdienst) zum „Jubeln“?