Schön hier!

veröffentlicht 19.09.2026, Ev. Dekanat Vogelsberg

Ins Jammern einzustimmen, geht schnell, findet unsere Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit, Traudi Schlitt. Und Grund dazu findet man allemal. Aber es geht auch anders.

Na, hatte es Sie auch erwischt? So mit allem, meine ich? In unserem fünfköpfigen Haushalt ist das Virus mit den vier Buchstaben einmal durchmarschiert und hat uns alle – zumindest schön der Reihe nach - von einer Sekunde auf die andere vom Alltag ins Bad ins Bett auf die Couch ins Bad ins Bett und dann mehr oder weniger schnell zurück ins Leben katapultiert. Was soll ich sagen? Es ging mir so schlecht wie schon ewig nicht. Aber wer mich kennt, weiß: Das alles hatte auch sein Gutes.

Erstens bin ich immer etwas schnell, wenn andere Menschen klagen. Man kann sich auch anstellen, denke ich meistens. Nun war ich so elend, so abgrundtief elend, dass ich alle, die meinem Leid nachfolgten, gleich viel besser verstehen und viel nachsichtiger mit ihnen umgehen konnte. Ein Perspektivwechsel, der gutgetan hat. Sollte man öfter mal probieren.

Zweitens war ich – wieder einmal – unglaublich dankbar für meine, für unsere Lebenssituation: Man kann sich krankmelden –noch telefonisch – ohne Angst, den Job zu verlieren. Man kann die Hausapotheke öffnen und hilfreiche Dinge finden oder sie in der nächsten Apotheke holen. Man findet in der Speisekammer Milchreis und Milch und kann sich und seine Liebsten aus diesen und anderen Vorräten heraus (Ich sage nur: Dosenpfirsiche!) tagelang bekochen.

Ich weiß, der Sprit ist teuer, die Welt ist schlecht und die KI wird uns alle umbringen. Aber ansonsten leben wir doch. Und wir leben gut. Unser Alltag ist meistens gar nicht so schlecht, alles, was wir brauchen, ist da, und mit den richtigen Menschen um uns herum läuft’s doch, oder? Das sollten wir uns vor Augen führen, wenn Gefahr besteht, uns ins Jammertal ziehen zu lassen und darüber komisch zu werden. Über den Tellerrand schauen, die Perspektive wechseln – all das hilft, wenn man glaubt, wir hier hätten was auszustehen. Und wenn nicht, könnte man auch schauen, wie man selbst die Welt – zumindest die kleine um einen herum – ein wenig besser macht. Heute zum Beispiel kann man in Alsfeld für den guten Zweck laufen. Und Spaß haben. Und die Kirche ist auch offen. Nur mal so.

Letztens sagte der Comedian André Hermman, wenn man in Sachsen-Anhalt fremd sei und Kameraden suche, dann reiche es, wenn man sich an einen Kneipentisch setzt und einmal laut seufzt „Schlimm, oder?“ Ich finde, wie probieren es mal andersrum. Wir gehen auf den Marktplatz – oder wohin auch immer – und rufen mal laut aus: „Schön hier!“. Mal schauen, wer alles kommt.

Schönes Wochenende wünscht

Traudi Schlitt

Referentin für Öffentlichkeitsarbeit im Evangelischen Dekanat Vogelsberg