Reformationstag – eigentlich brauchen wir ihn (nicht)

veröffentlicht 31.10.2026, Ev. Dekanat Vogelsberg

Ja, was denn nun? Pfarrer Jonathan Stubinitzky kommt in seinen Sonntagsgedanken zum Reformationstag auf den Gedanken, dass mit Gott in Beziehung sein, gerade in Zeiten von viel Veränderung, auch Teil der Reformation ist.

Eigentlich könnte dieses Thema ein Klotz am Bein der Geschichte sein, aber ...

„Wir sind eine Kirche“ höre ich aus ökumenischen Häusern und Freundschaften. Was braucht es da mehr als eine Konfession und jedes Jahr einen Gedenktag von der Kirchenspaltung, die nicht nur von Martin Luther ausging. Warum also ‚durchlebt‘ dieses Thema längst und immer wieder die Gegenwart?

Bei mir war es die ärmere Tradition (der Verzicht auf namentliche Heilige, Weihrauch und geweihte Hostien).
Bei mir waren es einige Jahre Dienst in einer reformierten Gemeinde (diejenige Glaubensrichtung, die traditionell ohne Bilder und Ikonen auskommt, und sich heute gleichermaßen ‚evangelisch‘ nennt).
Und bei mir war es kürzlich ein Erntedankfest ohne jede Frucht.
Sie alle haben mir fünf Jahrhunderte nach Luther die Augen geöffnet für das Eigentliche:

Nein, es sind nicht die Bilder, die Symbole und Traditionen: Das Eigentliche ist Gottes Beziehung zu uns Menschen durch sein Wort, dass er uns zusammenruft zum gläubigen Hören, Singen und Beten. Das sehe ich bei Luther und anderen, die wir – trotz kritischer Momente – manchmal auch wie Heilige benennen können, ungefragt und ohne dass sie es sein wollten: „Reformatoren“.

Geblieben ist für mich: Vor über 500 Jahren haben Menschen das Eigentliche erkannt, geglaubt und gelebt. Mit Gott in Beziehung sein, gerade in Zeiten von viel Veränderung und wo das alte lateinische Wort ‚Reform‘ in allen möglichen Varianten auch auf uns wartet. So auf Bibel und Gottes Geschichte stehen, Gedanken und Ideen haben in und mit der ‚einen‘ Kirche unseres Herrn Jesus Christus, in Beziehung mit Geschwistern anderer Konfessionen sein, und gemeinsam entdecken: Gleichwohl sind es auch die Bilder, Symbole und Traditionen, die uns auf das Eigentliche hinweisen: Unsere Geschichte macht Gott zu seiner eigentlichen in unserem Glauben und täglichen Leben, auch im ausgehenden 2026.

 

Jonathan Stubinitzky, Pfarrer im Gruppenpfarramt Vogelsberg