Auf sechzig Jahre Dienst als Organistin in den Kirchen in Meiches und Helpershain kann Ursula Stier zurückblicken. Nun nahm sie Abschied aus diesem Amt und wurde von den Menschen im Nachbarschaftsraum Evangelische Gesamtkirchengemeinde Vogelsberg im Rahmen eines Gottesdienstes in der Evangelischen Kirche in Helpershain mit einem großen Dankeschön in den Ruhestand geleitet.
Gestaltet wurde dieser von Pfarrer Jürgen Pithan und Pfarrerin Dorothea Witznick, die musikalische Gestaltung hatten Dekanatskantor Simona Wahby und Organistin Silke Schmidt inne. Aus den Kirchengemeindeausschüssen nahmen Heidi Hühnergart, Horst Gerhardt und Natascha Diehl sowie Heidi Scheerer-Popp und Sonja Fischbach teil.
In ihrer Predigt – ganz auf die scheidende Organistin zugeschnitten – würdigte Pfarrerin Witznick die Leistung von Ursula Stier, die schon sehr früh ihr musikalisches Talent entdeckt und ausgebaut hat. Im Alter von fünfzehn Jahren hat die heute 82-Jährige erstmals die Orgel in Helpershain gespielt und mit sechzehn ihren offiziellen Dienst begonnen, der bis zum jetzigen Abschied andauerte: „Eine Lebensaufgabe“, wie Witznick sagte, der sich auch die Urlaubs- und Freizeitplanung unterordnete. „Das ist mehr als Zuverlässigkeit“; so die Pfarrerin, „darin zeigt sich eine tiefe Haltung: Die Musik im Gottesdienst war für Sie, Frau Stier, keine Nebensache, Sie war Dienst an Gott und den Menschen.“ Kleine Anekdoten, wie die Fahrt zum Gottesdienst in Helpershain, auf der die junge Frau vom Sozius des Motorrads von Pfarrer Schwarz gefallen und vom Bürgermeister mit dem Traktor aufgesammelt worden war, wechselten sich mit großen Dankesworten ab, die deutlich machten: Als Organistin war Ursula Stier stets ein Teil der Gemeinde, den keiner missen mochte und möchte. Dennoch sei es nun Zeit, sich mehr der Familie zuzuwenden: Enkel und Urenkel freuten sich darauf. Im Namen aller Anwesenden dankte die Pfarrerin Ursula Stier „für Ihre Treue, Ihre Zeit und Ihre Kraft. Danke für Sonntage und Feiertage, für vier Gottesdienste an einem Tag, für Vertretungen, neue und alte Lieder und für all die Musik, durch die Gottes Geist unsere Herzen erreicht hat.“
Ein emotionaler Abschied, nicht nur für Ursula Stier und ihre Familie, sondern für die ganze Gemeinde, die später noch bei Kaffee und Kuchen Gelegenheit hatte, der Verabschiedeten ihre Wertschätzung mit Worten, Geschenken und Umarmungen zu zeigen.
Pfarrerin Witznick hob hervor, dass eine Gemeinde von vielen Talenten lebt und Menschen sich damit einbringen könnten – ob bei der Musik, beim Kuchenbacken oder im Kirchenvorstand: „Gottes Geist verteilt seine Gaben nicht, damit einige wenige alles tun müssen, sondern damit wir gemeinsam Kirche sind.“