Mach laut. Mach bunt. Mach mit.

veröffentlicht 06.06.2026 von Dr. Dorette Seibert, Dekanin des Evangelischen Dekanats Vogelsberg, Ev. Dekanat Vogelsberg

Was gibt uns Kraft? Und wofür lohnt es sich, die eigene Stimme zu erheben?

Es ist Jugendkirchentag in Alsfeld.

Auf einer Bank mitten in der Stadt hängen bunte Bänder.

Auf ihnen stehen Antworten auf zwei Fragen: Was macht dein Leben bunt? und Wofür wirst du laut?

Wer die Bänder liest, entdeckt vieles: Freundschaft. Familie. Musik. Frieden. Gerechtigkeit. Hoffnung.

Wir haben diese Bank „Power-Bank“ genannt. Der Name erinnert an die kleinen Akkus, die unsere Handys mit neuer Energie versorgen. Unsere Power-Bank kann etwas anderes: Sie lädt dazu ein, einen Moment innezuhalten, ins Gespräch zu kommen und darüber nachzudenken, was unserem Leben Kraft gibt.

Mich berührt das. Denn eigentlich sind das keine Fragen nur für Jugendliche. Es sind Fragen an uns alle.

Was macht mein Leben bunt?

Gerade in diesen Zeiten fällt vielen zuerst ein, was Sorge macht oder Kraft kostet. Umso wichtiger ist die Gegenfrage. Was schenkt mir Freude? Wer sind die Menschen, die mein Leben heller machen? Was gibt mir Mut für den nächsten Tag?

Die Bibel erzählt von einem Gott, der die Welt nicht grau geschaffen hat. Die Schöpfung ist voller Vielfalt und Leben. Nach der Sintflut spannt Gott einen Regenbogen über die Erde – ein buntes Hoffnungszeichen. Er erinnert daran: Das Leben ist stärker als die Angst, und Gottes Möglichkeiten sind größer als unsere Sorgen.

Und wofür werde ich laut?

Laut sein bedeutet nicht, andere zu übertönen. Es bedeutet, die Stimme zu erheben für das, was wichtig ist. Für Frieden. Für Gerechtigkeit. Für Menschen, die nicht gehört werden. Die Propheten der Bibel haben das getan. Auch Jesus hat Menschen ermutigt, nicht wegzusehen, sondern Verantwortung zu übernehmen.

Das Motto des Jugendkirchentages lautet: „Mach laut. Mach bunt. Mach mit.“

Vielleicht ist gerade das die schönste Einladung dieses Wochenendes an uns alle. Nicht nur zuschauen. Nicht nur über Kirche, Gesellschaft oder die junge Generation reden. Sondern miteinander ins Gespräch kommen, feiern, nachdenken und Neues entdecken.

Die Power-Bank erinnert daran: Auch wir Menschen brauchen generationenübergreifend Orte, an denen wir neue Kraft schöpfen. Orte der Begegnung, der Hoffnung und des Glaubens. Orte, an denen wir erleben: Ich bin nicht allein mit meinen Fragen, meinen Hoffnungen und meinen Zweifeln. Gott geht mit.

Ich freue mich über die vielen Jugendlichen, Mitarbeitenden und Gäste, die an diesem Wochenende nach Alsfeld gekommen sind. Und vielleicht nehmen wir alle eine der Fragen von der Power-Bank mit nach Hause:

Was macht mein Leben bunt? Und wofür werde ich laut?