„Hallo, wie geht’s?“ – manchmal, da bringt mich schon diese harmlose Frage ins Stolpern. Wenn ich mal wieder neben mir stehe, weil gerade einfach alles zu viel ist, bin ich dann oft völlig überfragt.
Von diesem Gefühl kann auch mein Lieblingsmusiker Clueso wortwörtlich ein Liedchen singen: In „Minimum“ singt er davon, wie er den eigenen Leichtsinn, die Leichtigkeit verlernt hat. Wie er zu oft für andere funktioniert, zu oft danebensteht – im Leben, das an ihm vorbeizieht. Wie er nur dann vorm Spiegel tanzt, wenn keiner hinschaut. Diese Ehrlichkeit berührt mich, weil sie so vertraut klingt. Zu viele To-Do-Listen, zu wenig Ich. Groß im Blick für Andere, klein im Blick für mich.
„Nie wieder Minimum“ – dieser Satz ist wie ein Aufwachen. Er ruft mir zu: Stell dich nicht selbst in den Hintergrund, sondern spür in dich und mach das, was dir guttut. Finde dich selbst wieder, zwischen Arbeit, Erwartungen und Warten. Trau dich nicht mehr nur allein vorm Spiegel zu tanzen, sondern geh auf die Tanzfläche - mitten hinein ins Leben.
Genau das bringt auch Jesus auf seine Weise auf den Punkt, wenn er uns auffordert: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ Dabei betonen wir so oft den ersten Teil – die Nächstenliebe. Doch der zweite Teil, „wie dich selbst“, ist genauso entscheidend. Nicht nur schaffen, helfen, leisten – sondern auch atmen, staunen, lachen. Der zweite Teil erinnert uns daran, dass die Liebe in uns genauso leben will wie durch uns. Selbstliebe ist kein Luxus; sie ist die Wurzel jeder Nächstenliebe.
Wer sich selbst vergisst, immer nur im Schatten steht, dem fehlt irgendwann die Kraft, andere zu lieben. Wer aber sagt: „Nie wieder Minimum“ – nie wieder zu wenig Zeit für mich, nie wieder nur im Hintergrund – der nimmt Gottes Geschenk an: ein Leben in Fülle. Mit Leichtigkeit. Mit Mut. Mit offenen Armen – für andere und eben auch für sich selbst.
Pfarrerin Hannah Schnegelberger, Evangelische Christusgemeinde - Schlitzerland