Karsamstag ist ein stiller Tag. Ein Tag dazwischen. Zwischen dem, was war, und dem, was noch nicht sichtbar ist.
Die biblische Geschichte von Jakob erzählt von einem Menschen auf der Flucht.
Erschöpft legt er sich schlafen – ohne Sicherheit, ohne Plan. Und im Traum erkennt er plötzlich: „Gott ist hier – und ich wusste es nicht.“
Das ist kein fertiger Glaube. Eher ein Erstaunen. Vielleicht sogar ein Erschrecken. Die Ahnung: Gott könnte auch oder gerade dort sein, wo ich ihn gar nicht erwartet habe.
Karsamstag hält genau das aus. Gott scheint fern. Und doch ist er nicht einfach weg.
Auch wir leben in einer Zeit, die viele verunsichert. Nachrichten von Kriegen, Krisen, Spannungen – vieles wirkt unübersichtlich. Manches macht Angst. Erschöpfung breitet sich aus.
Die Geschichte von Jesus führt nicht an dieser Wirklichkeit vorbei. Sie geht mitten hinein: in Leid, Zweifel und Ohnmacht. Am Kreuz zeigt sich kein schneller Trost. Aber vielleicht etwas anderes: Dass Gott auch dort ist.
Der Himmel ist dann nicht weit weg. Er beginnt nicht erst über den Dingen. Sondern mitten darin.
Wer an diesem Wochenende spazieren geht, muss nicht nach besonderen Momenten suchen.
Vielleicht reicht es, aufmerksam zu sein: für einen Gedanken, einen Blick, einen stillen Augenblick. Und möglicherweise wächst daraus eine leise Ahnung: Gott ist (auch) hier.
Nicht als sichere Antwort. Eher als Möglichkeit, die ermutigt, einen nächsten Schritt in Richtung Zukunft zu wagen. Und Ostern beginnt womöglich genau dort – wo diese leise Hoffnung stärker wird als die Angst.
Ein hoffnungsfrohes Osterfest wünscht Ihnen Ihre Dekanin Dr. Dorette Seibert