Der Frühling beginnt, das Leben triumphiert.

veröffentlicht 28.02.2026 von J. Seng, Ev. Dekanat Vogelsberg

Dietrich Bonhoeffer schreibt hierzu: „Ich wünsche dir die Lebenskraft des Schneeglöckchens, das sich von Kälte, Eis und Schnee nicht unterkriegen lässt und zu seiner Zeit blüht. Jedes Werden in der Natur, im Menschen, in der Liebe muss abwarten, geduldig sein, bis seine Zeit zum Blühen kommt“.

Liebe Leserinnen und Leser,

für mich ist es immer eine besondere Freude, wenn ich die ersten Schneeglöckchen in unserem Garten entdecke: Sind sie doch Vorboten des kommenden Frühlings, der Sonne, Licht und neues Leben verspricht. Schon unter dem Schnee, den Augen noch verborgen, kämpfte sich das Schneeglöckchen durch den gefrorenen Boden. Und obwohl wir das wissenschaftlich alles erklären können, ist und bleibt es ein Wunder - zumindest für mich. Da ruhen versteckt im Boden die kleinen Blumenzwiebeln. Sie bergen alles in sich, was die Pflanze zum Wachsen und Blühen an Nährstoffen braucht. Sie haben im vergangenen Sommer Kräfte gesammelt, Frost und Feuchtigkeit getrotzt und treiben nun Blätter und Blüten. Dabei erzeugt die Pflanze mithilfe ihrer Zwiebel Wärme und bringt dadurch den gefrorenen Boden einige Millimeter um den Blütenstiel zum Auftauen, so dass sich das Stielchen nach oben schieben kann. Wenn Schnee liegt, schmilzt rund um den Stiel ein wenig Schnee und sorgt so zugleich noch für eine Bewässerung - wirklich ein Wunder. Der Frühling beginnt, das Leben triumphiert. Es ist eine Freude für die Augen. Dietrich Bonhoeffer schreibt hierzu: „Ich wünsche dir die Lebenskraft des Schneeglöckchens, das sich von Kälte, Eis und Schnee nicht unterkriegen lässt und zu seiner Zeit blüht. Jedes Werden in der Natur, im Menschen, in der Liebe muss abwarten, geduldig sein, bis seine Zeit zum Blühen kommt“. Auch in der Bibel, im Hohenlied Salomos, seht ein wunderschöner Text, der sich damit beschäftigt: „Denn siehe, der Winter ist vergangen, der Regen ist vorbei und dahin. Die Blumen sind aufgegangen im Lande, der Lenz ist herbeigekommen, und die Turteltaube lässt sich hören in unserem Lande. Der Feigenbaum hat Knoten gewonnen, und die Reben duften mit ihren Blüten." Im Orient sind es der Feigenbaum und die Anemonen, die das Werden der Natur sichtbar machen, bei uns sind es Schneeglöckchen und Krokusse. Sie blühen auch in Zeiten von Unsicherheit, Sorgen und Ängsten, die die aktuelle Weltlage bei manchem von uns wohl auslösen werden. Lassen wir uns dennoch auch in diesem Jahr aufs Neue überraschen von der Fülle der Schöpfung und dem Schöpfer. Gott will das Leben, auch unser Leben. Lassen wir uns wiederum neu auf dieses Wunder ein und begeben uns auf den Weg des Staunens. Und lassen auch Sie sich von Frostnächten und spätem Schneetreiben nicht entmutigen. Der Frühling lässt sich nicht aufhalten. Er wird letztlich triumphieren, wie auch die Liebe Gottes zu uns Menschen.

Mit allen guten Wünschen

Jürgen Seng

Schulpfarrer und Schulseelsorger an der Geschwister-Scholl-Schule in Alsfeld und der IGS Schlitzerland in Schlitz