Bürger sind Teil des Konzepts: Bewusstsein für Gefahren und Lösungen schärfen

veröffentlicht 02.07.2026 von T. Schlitt, Ev. Dekanat Vogelsberg

Amt für Gefahrenabwehr stellte auf Initiative des Evangelischen Dekanats Sicherheitskonzepte vor

Globale Krisen, politische Spannungen, die Hitzewelle als deutlicher Ausdruck des Klimawandels: Es gibt vieles, was das Gefühl von Unsicherheit im Alltag verstärkt. Gefahren erscheinen näher und präsenter. Diese Mischung aus realen Bedrohungen und verstärkter Wahrnehmung macht Sicherheit zu einem zentralen Thema unserer Gesellschaft. Seit 2011 geht das Zentrum Bildung und Gesellschaft der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) unter dem Motto „Wir machen Türen auf“ Fragen nach, die Menschen bewegen – in diesem Jahr geht es gezielt um Sicherheit in Krisen. Auf dem Gebiet des Evangelischen Dekanats Vogelsberg hat das Zentrum gemeinsam mit Carolin Braatz, Referentin für Ökumene und Gesellschaftliche Verantwortung, zwei Anlaufstellen ins Auge gefasst, von denen die erste Ende Juni besucht wurde.

Das Amt für Gefahrenabwehr im Vogelsbergkreis hatte in das noch neue Feuerwehrhaus in Herbstein geladen, wo Heidi Schmidt und Sarah Kuhla sich sichtlich über das Interesse freuten. Anwesend waren neben einigen mitwirkenden Einsatzkräften, die später noch ihre Bereiche vorstellten, Interessierte aus dem Kreis und der weiteren Region. Zur Begrüßung sprachen Landrat Jens Mischak und Herbsteins Bürgermeisterin Astrid Staubach. Beide unterstrichen die Bedeutung von Sicherheitskonzepten in Zeiten, die ungewisser geworden sind. Die Politik trage diesen Gedanken u.a. mit dem der Arbeit im Amt für Gefahrenabwehr oder der Errichtung eines neuen Feuerwehrhauses wie in Herbstein Rechnung. Mischak betonte auch, wie wichtig es sei, die Bevölkerung zu sensibilisieren und deutlich zu machen, dass die Menschen Teil der Schutzkonzepte seien.

Schmidt und Kuhla gingen gemeinsam mit den Gästen zunächst dem Begriff der „Katastrophe“ auf die Spur: Von der amtlichen Definition bis hin zu Beispielen wie Hochwasser, Pandemie, Krieg, Zugunglück, Cyberangriff oder Trinkwasserverunreinigung trugen die Teilnehmenden viele Dinge aus den unterschiedlichsten Bereichen zusammen, die eine Bevölkerung vor große Herausforderungen stellen könnten, und erarbeiteten, welche Szenarien im Vogelsberg wahrscheinlich wären. Sie stellten dafür auch die Akteure vor, die den Menschen mit aktiver Hilfe zur Seite stehen, darunter Feuerwehr, Hilfsorganisationen wie DRK oder Johanniter, Technisches Hilfswerk, Notfallseelsorge, Behörden und Bundeswehr. Ein wesentlicher Akteur in diesem Szenario ist die Bevölkerung selbst, sagten die beiden Expertinnen. Mit Blick auf Einsatzkräfte von Feuerwehr, THW und Notfallseelsorge legten sie das Augenmerk auch auf die Tatsache, dass viele der Mitarbeitenden dort ehrenamtlich tätig seien.

Wie genau dieser ehrenamtliche Dienst aussieht, stellten Bernhard Christen und Steffen Jöckel, die beiden Stadtbrandinspektoren der Herbsteiner Wehr, vor. Von der meist haupt- und manchmal auch ehrenamtlichen Arbeit der Hilfsorganisationen berichtete Paul Schimanski, Kreisleiter des DRK Lauterbach. Pfarrer Thomas Schill sprach über die Psychosoziale Nachversorgung, die die Notfallseelsorger leisten. Gerade in Extremsituationen gehen die Helfenden an ihre Grenzen, wurde deutlich. Auch die Ehrenamtlichen müssen, beispielsweise was die Einsatzzeit angeht, gesetzliche Vorgaben einhalten. Gleichzeitig sind sie eine der wichtigsten Säulen im Sicherheitssystem. Die Besucher merkten schnell, dass sich im Katastrophenfall alle Bereiche gut vernetzen müssen, um in jeder Situation das Beste für die Menschen tun zu können.

Sarah Kuhla und Heidi Schmidt hatten neben den vielen Informationen auch praktische Arbeitsteile vorbereitet: Die Gäste lernten die verschiedenen Warntöne und Warn-Apps kennen und erfuhren, was wann am sinnvollsten zu tun ist. Sie entdeckten den Sinn eine Kurbelradios für den Empfang von Nachrichten ohne Strom und lernten, wie man für Notälle vorplant: Medikamente und Lebensmittel sinnvoll bevorraten, einen Koffer für plötzlich notwendig werdende Aufbrüche bereithalten, alle wichtigen Papiere griffbereit haben. Und: Lebensmittel für zehn Tage lagern – einschließlich Wasser. Einer von vielen kleinen Expertinnentipps: Die Lebensmittel sollten möglichst ohne Erhitzen aufkommen, denn man wisse in einer Katastrophe ja nie, ob man eine Zubereitungsmöglichkeit hat.

Wenngleich das Thema nicht erquicklich war, waren sich alle Teilnehmenden am Ende des Tages einig: Sich mit den Gedanken der zivilen Sicherheit auseinanderzusetzen, ist wertvoll und sehr nützlich: „Alle Menschen sollten die Möglichkeit haben, sich so gut über den Fall eines Falls zu informieren“; sagten sie.

Carolin Braatz und ihre Kollegin Heike Miehe vom Zentrum Bildung und Gesellschaft dankten dem Kreis, der Stadt Herbstein und allen Akteuren für die Kooperation. Als zweite Anlaufstelle zum Thema steht im Herbst eine Besichtigung der Firma G&N Gefahrenmelde- und Nachrichtentechnik GmbH auf dem Programm; der Termin wird rechtzeitig bekanntgegeben. Weiteres zu der Reihe findet man auf https://www.zbg-ekhn.de/news-artikel/wir-machen-tueren-auf-betriebsbesuche-2026