Abschied mit Wehmut, Dankbarkeit und Rückenwind

veröffentlicht 24.08.2026 von sfra, Ev. Dekanat Vogelsberg

Nach viereinhalb Jahren verabschiedet sich Pfarrerin Tamara Kaulich aus dem Nachbarschaftsraum Vogelsberg. Ihr Abschiedsgottesdienst stand ganz im Zeichen eines Bildes, das ihre Dienstzeit treffend beschreibt: Kirche ist eine Baustelle und alle bauen mit.

„Können wir das schaffen?“ – „Ja, wir schaffen das.“ In Anlehnung an Bob der Baumeister wurde dieser Satz im Abschiedsgottesdienst von Pfarrerin Tamara Kaulich zum Sinnbild für ihre viereinhalb Jahre im Nachbarschaftsraum Am Vogelsberger Himmelsborn. Gemeinsam mit den Menschen vor Ort hat sie Veränderungen gestaltet, Neues ausprobiert und nach Wegen gesucht, Kirche lebendig zu halten.

In einem gut besuchten Gottesdienst, der vom Verkündigungsteam sowie Kirchenchor und Posaunenchor mitgestaltet wurde, verabschiedete sich Kaulich am 23. August nach viereinhalb Jahren aus den Kirchengemeinden Zell und Billertshausen sowie dem gesamten Nachbarschaftsraum. Ab September wechselt sie in den Nachbarschaftsraum Lauterbach/Wartenberg nach Angersbach.

Eine Kirche, die niemals fertig ist

Das zentrale Bild des Gottesdienstes war die Baustelle. Passend, denn als Kaulich im Sommer 2021 ihren Dienst begann, war nicht nur die Straße vor der Kirche eine Baustelle. Auch die Kirchengemeinde stand vor großen Veränderungen.

„Die Kirche ist eine Baustelle“, sagte Kaulich in ihrer Predigt und griff damit das Bild des Apostels Paulus auf. Alle bauten mit, Hauptamtliche ebenso wie Ehrenamtliche. Entscheidend sei das Fundament: Jesus Christus. Gebaut werde mit Liebe, Wärme, Freundlichkeit und Miteinander.

„Wir bauen alle miteinander“, machte Kaulich deutlich. Und sie gab der Gemeinde eine Ermutigung mit auf den Weg: Nicht Angst solle bestimmen, was geschehe, sondern Mut, Liebe und Gelassenheit.

Dass Kaulich dieses Bild nicht nur theoretisch meinte, wurde in den Rückblicken auf ihre Dienstzeit deutlich. Ihr Start fiel mitten in die Corona-Pandemie. Trotzdem fand sie kreative Wege, Gemeinde zu gestalten. Projekte wie „Proviant für den Weg“, besondere Gottesdienste, Konzerte und Lesungen bleiben in Erinnerung. Besonders der Stammtisch im Pfarrgarten entwickelte sich von einer kleinen Idee zu einem Treffpunkt, den die Menschen schließlich selbst weiterführten.

Dekanin Dr. Dorette Seibert würdigte genau diese Fähigkeit: Räume für Begegnung zu schaffen und anschließend anderen zu ermöglichen, diese mit Leben zu füllen.

Gemeinsam trittsicher werden

Die vergangenen Jahre waren zugleich von großen Veränderungen geprägt. Der Aufbau des neuen Nachbarschaftsraums und die Entwicklung zur Gesamtkirchengemeinde brachten viele Entscheidungen und Unsicherheiten mit sich.

„Wir haben zusammen das Trittsichere erlangt“, zitierte Seibert Kaulich. Sie dankte ihr für ihre Ideen, Offenheit und ihren Mut, Neues auszuprobieren. Vor allem aber für die vielen Menschen, die sie begleitet habe. Was entstanden sei, bleibe nicht als fertiges Gebäude zurück, sondern als etwas Lebendiges, an dem andere weiterbauen werden.

Die Baustelle bleibt

Ganz endgültig ist der Abschied nicht. Kaulich bleibt im Dekanat Vogelsberg und wechselt nach Lauterbach-Wartenberg, nur rund 30 Kilometer entfernt. 

Für die Gemeinden beginnt nun eine Zeit der Vakanz. Eine neue Besetzung der Pfarrstelle soll gesucht werden; wann dies gelingt, ist derzeit offen.

Doch das Bild der Baustelle bleibt: Sie bedeutet nicht, dass etwas gescheitert ist. Sie zeigt, dass weitergebaut wird. Pfarrerin Kaulich hat ihren Teil dazu beigetragen. Nun geht sie weiter und andere bauen auf dem auf, was entstanden ist. Die Kirche muss nicht fertig sein. Sie muss lebendig sein. Und dafür braucht es Menschen, die bereit sind, mitzubauen.

Und so ging es an diesem Sonntag nicht wirklich um ein Ende. Eher um einen neuen Bauabschnitt.