Evangelisches Dekanat Vogelsberg ehrt Dekanatskantor Simon Wahby für 30-jährige Zugehörigkeit
Mission: „musik in der kirche“
Foto: Ellinor Wahby
02.04.2025
ts
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Dass er hier dauerhaft sesshaft geworden ist, war nicht der ursprüngliche Plan des aus Kassel stammenden Kirchenmusikers; bereut hat er es nicht. Er mag den Vogelsberg, die Mentalität der Menschen und – auch wenn das nicht (mehr) die oberste Priorität hat – die feinen Backwaren der Fachwerkstadt. Und Fachwerk mag er auch.
Studiert hat der heute 62-Jährige an der Folkwangen-Hochschule Essen, seine ersten Stellen hatte er in Düsseldorf und Mühlheim an der Ruhr. Schon damals ein teures Pflaster, wie ihm schnell bewusstwurde. So kam ihm das Stellenangebot im Vogelsberg ganz recht. „Zu der damaligen Zeit gab es keinen Dekanatskantor, die kirchenmusikalische Arbeit war nicht sonderlich ausgeprägt“, erinnert er sich. Wie üblich, mussten er und seine Mitbewerber ihre Qualitäten als Chorleiter und Organist unter Beweis stellen. Mangels eines vorhandenen Chores wurde damals eine Art einmaliger Projektchor zusammengestellt, mit dem die Aspiranten arbeiten mussten. Erfolgreich, wie man sieht, denn seit März 1995 ist Simon Wahby fester Bestandteil der hiesigen kirchlichen und kulturellen Landschaft.
Schwerpunkte seiner Arbeit waren von Anfang an – neben dem liturgischen und konzertanten Orgelspiel sowie Orgelimprovisation – die Chorarbeit, die Ausbildung von Organistinnen und Organisten und die Gründung der Konzertreihe „musik in der kirche“ gleich 1995. Ein weiteres Augenmerk liegt auf der musikalischen Früherziehung: Die Kita-Kinder, die unter seiner Leitung singen, haben Spaß und zeigen bei ihren Auftritten Sangesfreude und auch Können. In die ersten Jahre seines Wirkens in Alsfeld fällt die Gründung der Dekanatskantorei im Jahr 2005. Sie hat sich inzwischen zu einer festen Größe im Dekanat entwickelt, die mit großartigen Konzerten von sich reden macht. „Annelies“ über das Leben der Anne Frank sei hier beispielhaft erwähnt; auch die klassischen Komponisten kommen im Portfolio der Dekanatskantorei nicht zu kurz. Dabei sieht Wahby die Dekanatskantorei als Ergänzung zum Chorangebot der Region. Der Projektcharakter bietet Möglichkeinen des Mitwirkens an etwas anderer Chormusik.
Wie viele in diesem Bereich Tätigen bedauert Wahby die Einschnitte, die mit der Pandemie den Kulturbereich im Allgemeinen und die Chöre im Besonderen trafen. „Es war ja schlicht und einfach verboten, gemeinsam zu singen und alle kreativen Ideen – wie online singen, draußen singen oder in kleinen Gruppen singen – konnten nicht das Gefühl und das Niveau klassischer Chorproben erreichen“, bedauert er. Heute arbeitet der Dekanatskantor wieder mit Leidenschaft und Herzblut an neuen Projekten. Natürlich nicht nur mit Mitwirkenden aus der Region, sondern auch mit Künstlerinnen und Künstlern, die er nach Alsfeld und in den Vogelsberg einlädt. Auf mehr als 400 verschiedene Veranstaltungen blickt er nach dreißig Jahren zurück.
Nicht selten kann er dazu ehemalige Orgelschüler einladen, denn einige von ihnen, wie beispielsweise Lukas Ruckelshausen, haben sich einen Namen in der Kirchenmusik gemacht. Sein eigener Stil an der Orgel ist vielseitig: Er begleitet den Gemeindegesang bei Gottesdiensten und er mag atonale Musik – und alles, was dazwischen liegt. Über diese Vielfalt, die er erstmals in Kassel kennenlernte, als dort „Neue Musik in der Kirche“ gespielt wurde, kam Wahby erst zur Kirchenmusik. „Ich sah, was in diesem Bereich alles möglich ist und bin dankbar, dass ich genau das machen kann.“ Seinen ursprünglichen Berufswunsch Chirurg ließ er dafür hinter sich und widmete sich der Orgel. Die ist ursprünglich eigentlich ein Zirkusinstrument, erzählt er im Interview, begeistert von den Möglichkeiten, die dieses Instrument eröffnet.
Im Lauf der Jahrzehnte hat er vermutlich auf allen Orgeln im Altdekanat Alsfeld gespielt. Seine Lieblingsorgeln stehen in Ober-Gleen, Brauerschwend und in der Dreifaltigkeitskirche in Alsfeld. Dort ist seine „akustische Heimat“, dort passen Raum und Klang perfekt zusammen. Nicht zuletzt deshalb setzt er sich jetzt mit dafür ein, dass die Dreifaltigkeitskirche Kulturort werden soll. Im Zukunftsprozess der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau ekhn2030 werden viele Veränderungen auf die Kirche zukommen. Die Kirchenmusiker sind zwar von Kürzungen verschont geblieben, dennoch wird sich ihr Aufgabengebiet mit der Schaffung von Nachbarschaftsräumen verändern – Simon Wahby und seine drei Kolleginnen in Lauterbach, Schlitz und Homberg werden wie alle Betroffenen gute Lösungen suchen, um der Kirchenmusik den Stellenwert zu erhalten, den sie verdient. „Die Kirchenmusik bindet auch viele Außenstehende“, weiß der Dekanatskantor, „sie ist eine sehr gute Brücke zwischen Gemeindegliedern und Menschen, die nicht in der Kirche sind. Sie erfreut alle und hat einen großen Wert.“
Diesen Wert will Simon Wahby auch weiterhin hegen und pflegen, er will junge Menschen für den Gesang und das Orgelspiel begeistern, er will kulturelle Veranstaltungen mit Musik und Gesang anbieten. „musik in der kirche“ – das ist und bleibt seine Aufgabe. Er freut sich drauf.
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